Feb
19
2011

Waisenhaus Dedunu

Zuletzt aktualisiert am 08.12.2013
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Im Oktober 2008 lernte ich im Krankenhaus W√ľrzburg meinem Zimmergenossen Richard Ellmann kennen und zu sch√§tzen. Er hat nach dem Tsunamie an Weihnachten 2004 ein Waisenhaus auf Sri Lanka mitgegr√ľndet. Das Projekt hei√üt Dedunu, dies hei√üt im Singalesischen "Regenb√∂gen" und steht f√ľr Hoffnung und Licht.

Ihr k√∂nnt Euch auf der Internetseite von Dedunu √ľber alle Details informieren.

 

Von seinem Engagement begeistert wollte ich das Waisenhaus einmal gerne besuchen und ein wenig mitarbeiten, was ich im November 2009 auch umgesetzt habe.

 

Anbei ein kleiner Bericht des Urlaubs und ein paar Bilder:

 

Sri Lanka ist eine Insel im Indischen Ozean s√ľd√∂stlich vom Festland Indien (S√ľdspitze) gelegen. Es hat ungef√§hr die Gr√∂√üe von Bayern.

Durch den Tsunamie wurden viele K√ľstenbereiche zerst√∂rt und viele Kinder verloren Ihre Eltern. Hinzu kommt noch der B√ľrgerkrieg, der von 1983 bis 2009 anhielt. Die Zahl der Todesopfer w√§hrend des Krieges seit 1983 wird zwischen 80.000 und 100.000 gesch√§tzt. Mehr Infos hierzu findet ihr unter B√ľrgerkrieg Sri Lanka auf Wikipedia. Die gr√∂√üten Opfer solcher Konflikte und Naturkatastrophen sind die Kinder.

Das Klima in Sri Lanka ist tropisch und wird stark durch Monsume gepr√§gt. Die durchschnittstemperatur liegt bei ca. 28-30¬įC mit hoher Luftfeuchtigkeit. In praller Sonne wird es insbesonder Mittags sehr hei√ü, drau√üen arbeiten ist dann fast nicht m√∂glich. Gegen sp√§ten Nachmittag ziehen dann teilweise Gewitter mit starken kurzen Regenschauern √ľber das Land, die dann schnell zu kleineren √úberschwemmungen f√ľhren, da eine richtige Kanalisation nicht vorhanden ist und die oberfl√§chen Gr√§ben und Abfl√ľ√üe am Stra√üenrand nicht gut funktionieren. Mehr Infos gibt es zu Sri Lanka auf Wikipedia.

 

Durch die Temperatur, Feuchtigkeit und regelm√§√üigen Regenschauer gibt es einige Moskitos, die einen den Tag bzw. die Nacht vers√ľ√üen :-).

Die Insel erzeugte bei mir sehr unterschiedliche Eindr√ľcke: Zum einen ist sie wundersch√∂n, die Natur, vor allem die tropische Fauna und der einzigartige kilometerlange Sandstrand mit traumhaften K√ľsten und Wellen, beeindrucken mich sehr. Reichhaltig ist auch die Tierwelt, mit z.B. freilebenden Elephanten, vielen V√∂geln und Meerschildkr√∂ten.

Auf der anderen Seite steht die gerade im K√ľstenbereich hohe Bev√∂lkerungsdichte und der ersch√ľtternde Umgang der Menschen mit der Natur. Die √ľberall anzutreffende Armut der Menschen, die Lebensweise in teilweise Blechh√ľtten zeigen, dass Sri Lanka eindeutig ein armes vom Krieg gepr√§gtes Entwicklungsland ist. Ein weiteres Problem ist die M√ľllentsorgung. Es gibt vielfach z.B. hinter dem Marktgel√§nde wilde M√ľllkippen und auch der Hausm√ľll wird in den Wohnstra√üen auf unbebaute Wiesen gekippt und dann gelengtlich entsorgt.

 

 

 

Meine anf√§nglichen Vorbehalte gegen√ľber den √§rmeren Menschen stellte sich dagegen als unbegr√ľndet heraus. Sie waren stets freundlich und hilfsbereit, und man konnte ohne st√§ndig mit dem Gef√ľhl, dass man abgezogt oder beraubt werden k√∂nnte, herumlaufen. Nat√ľrlich freuen sie sich ungemein, wenn sie ein wenig Geld mit Dienstleistungen einnehmen k√∂nnen. Sie machten aber keineswegs den Eindruck, mit Ihrer Situation besonders ungl√ľcklich zu sein, sondern machten eher einen zufriedenen gelassenen Eindruck.


 

Nun zum Waisenhaus.

Es liegt gut versteckt ca. 8km im Landesinneren auf einem kleinen H√ľgel. Hier leben im Moment 26 Jungen zusammen, die rundum die Uhre von Einheimischen Betreuerinnen/Erzieherinnen beaufsichtigt und gepflegt werden. Dabei wechseln diese f√ľr die Kinder so wichtigen Bezugspersonen nicht st√§ndig, sie bilden vielmehr f√ľr die Kleinen Ihre neue Familie. Hier sind die Jungs im neuen Schlafanzug!

 

 

Nur Jungs deswegen, weil in Sri Lanka eine klare Geschlechtertrennung in der Gesellschaft verankert ist und eine gemischte Unterbringung unvorstellbar ist. Es m√ľ√üte eine hohe Wand zwischen den Wohnbereichen der Kinder gezogen werden und zudem w√§hre es schwierig, eine staatliche Anerkennung zu erhalten. Die gibt es "eigentlich" sowieso nicht, da aus staatlicher Sicht Sri Lanka keine sozialen Probleme und keine Waisenkinder hat. Dedunu ist eines der wenigen Projekte, die eine staatliche Anerkennung hat. Vielleicht wird es in ferner Zukunft auch einmal m√∂glich sein, M√§dchen in Dedunu aufzunehmen.

 

 

Die Kinder haben eine regelmäßigen Tagesroutine und einen regelmäßigen Schulbesuch. Nach der Schule wird zu Mittag gegessen, dazu nimmt man in Sri Lanka das Essen auf die 4 Finger der rechten Hand und schiebt es mit den Daumen in den Mund. Macht Spaß so zu essen!

Das Essen selbst ist so wie man es sich vorstellt, richtig scharf, insbesondere die Soßen. Daran muß man sich gewöhnen.

 

Der Tagesablauf der Kinder sieht wie folgt aus:

6:00 Uhr Aufstehen und Morgentoilette
6:45 Uhr Fr√ľhst√ľck
7:00 Uhr Zur Schule gehen
14:00 Uhr Duschen mit anschließendem Mittagessen
14:30 Uhr Hausaufgaben
16:00 Uhr Tea Time
16:15 Uhr Spielzeit und zur freien Verf√ľgung
17:15 Uhr Sauber machen
17:30 Uhr Fernsehen
18:00 Uhr Beten
18:30 Uhr Abendessen
19:00 Uhr Schlafen gehen

 

Bisher konnte auf den Grundst√ľck der Bau des Waisenhaues mit Nebengeb√§ude wie Wirtschafsgeb√§ude, Toilleten- und Waschanlagen, Wasserturm als Trinkwasserspeicher realisiert werden. Das Wasser stammt aus einem Brunnen, der gebaut wurde. Das Abwasser wird √ľber eine Brunnenbohrung mit verschiedenen biologischen Reinigungsebenen gefiltert und l√§uft dann ab.

Weiterhin gibt es einen Spielplatz und zur Selbstversorgung ein Gem√ľsegarten, Reisfeld und Bananenstauden.

 

Neu wurde ein Schulgebaeude errichtet, damit die Kinder am Nachmittag einen Rueckzugsraum haben, um in Ruhe Ihre Hausaufgaben machen zu koennen.

 

 

Weiterhin die Erweiterung der Selbstversorgung und die Sicherstellung der Berufsausbildung der ersten großen Jungen.

 

Dies alles bedarf der regelm√§√üigen Betreuung und finanziellen Unterst√ľtzung aus Deutschland. Wenn ihr also dazu was beitragen k√∂nnte, dann spendet einen kleinen regelm√§√üigen Monatsbeitrag. Formular gibts bei www.dedunu.de.

 

Zuletzt noch ein paar Bilder von dem von Richard finanziertem Ausflug von mir mit den Kidis ans Meer. Auch wenn sie so nah am Meer leben, haben sie doch teilweise den Strand erst wenige Male gesehen. Nur wenige k√∂nnen etwas schwimmen. Zum Abschlu√ü gab es f√ľr alle angebrannte Reispfanne und ausnahmsweise einmal COLA!!!